Was hat der Brexit mit Ihnen als eBay-Händler zu tun?

Er war viel und vor allem kontrovers diskutiert worden – und doch hat das Vereinigte Königreich Großbritannien zum 31. Januar 2020 den Brexit, also den Austritt aus der Europäischen Union, vollzogen. Flankiert wurde dieser Prozess von einem Austrittsabkommen, um den Handel auch über die Übergangsfrist und damit den 1. Januar 2021 hinaus eindeutig zu regeln. Das Abkommen sieht generell keine Importquoten oder neuartigen Zölle auf Waren aus dem Vereinigten Königreich vor, sofern die ursprünglichen Regeln konsequent eingehalten werden. Gleichzeitig ändern sich jedoch einige Punkte, wie beispielsweise die Zollverfahren, die Regelungen für den Warenversand aus Großbritannien nach Nordirland und zur Einfuhrumsatzsteuer. Höchste Zeit also, sich mit den neuen und durchaus komplizierten Rahmenbedingungen zu befassen – hier die wichtigsten Punkte im Überblick.

Brexit

Brexit - bürokratischer Mehraufwand für deutsche eBay-Händler inklusive

Nun ist sie da, die Zollgrenze, die die EU vom Vereinigten Königreich trennt, das nun ein EU-Drittstaat ist – und damit nicht mehr zum Binnenmarkt und zur Zollunion zählt. Die logische Folge: Zollformalitäten und Bürokratie – und es wird mit Sicherheit Zollkontrollen geben. Haben Sie als eBay-Händler eine Niederlassung in Großbritannien, können Sie die Zollanmeldung mit Hilfe der neuen EORI-Nummer eigenständig erledigen. Andernfalls benötigen Sie einen offiziellen Zollvertreter, den Sie als Dritten zur Zollanmeldung zwischenschalten müssen.

Für die Einführung der neuen Zollformalitäten und Regeln zur Wareneinfuhr sind drei Stufen vorgesehen, die sich bis zum Juli hinziehen. Die notwendigen Import-Erklärungen werden in dieser Zeit sukzessive für die unterschiedlichen Warengruppen fällig, können zum Teil aber sogar nachgereicht werden. Nähere Informationen finden Sie zum Beispiel hier und in einer deutschsprachigen Information der britischen Regierung hier.

Wichtige Sonderregelung für Nordirland:

Nordirland wird weiterhin als Teil der Zollunion behandelt – und das aus gutem Grund: Auf diese Weise wird eine Grenze zwischen dem britischen nordöstlichen Teil der Insel und der Republik Irland vermieden, um eine Wiederaufflammen der jahrelangen gewaltsamen Auseinandersatzungen zu verhindern.

Verzögerungen im Warentransfer wahrscheinlich

Es liegt auf der Hand, dass die Einführung einer neuen Zollgrenze die Abwicklung des Warentransfers verzögern dürfte. Este  Testläufe in Dover und Calais brachten bereits alarmierende Ergebnisse: Die Fahrzeuge stauten sich auf mehreren Kilometern – die Lieferzeiten werden sich wohl deutlich verlängern.

Produktvorschriften, Kennzeichnungen und Ausnahmen von der Zollbefreiung

Das Handelsabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU enthält zwar einen gemeinsamen Rahmen für Produktstandards und -vorschriften, allerdings steht es Großbritannien frei, eigene Vorschriften zu erlassen. Zunächst entsprechen die relevanten Regelungen und Zulassungsverfahren denen der EU, die letztendlich schon ins britische Recht integriert worden sind. Auf mittlere und lange Sicht dürfte es hier aber Veränderungen geben, wie bereits durchgeführte Neuregelungen bei den Produktkennzeichnungen vermuten lassen: Die CE-Kennzeichnung wird sukzessive dem UKCA-Label, das künftig für alle in Großbritannien zu verkaufenden Produkte verbindlich ist, weichen müssen – bis zum Juli 2021. Andere Neuregelungen beziehen sich auf Medizinprodukte und Lebensmittel.

Keine Zölle für eBay-Händler aus der EU - oder doch?

De facto sieht das Handelsabkommen keine Zölle für in der EU produzierte Waren vor. Allerdings gibt es eine Ausnahme, die Sie auf dem Schirm haben sollten: Stammen Waren oder Teile davon aus Drittstaaten, sollten Sie ins Detail gehen. Hat Großbritannien mit dem jeweiligen Herkunftsland ein separates Handelsabkommen abgeschlossen und entsprechende Regelungen getroffen, gelten diese. Ansonsten sind Zölle zu bezahlen, die dem WHO-Niveau entsprechen. Hier ist ein Tool der britischen Regierung, mit dessen Hilfe die Zollsätze für verschiedene Warengruppen prüfen können.

Britische Umsatzsteuer für Importe nach dem Brexit

Seit dem 1. Januar 2021 gilt das neue, von der britischen Regierung eingeführte Modell zur umsatzsteuerlichen Behandlung der Wareneinfuhren aus dem Ausland. Die Sonderregelung des Low Value Consignment Relief, die Warensendungen bis zu einem Wert von 15 Pfund von der Einfuhrumsatzsteuer ausnahmen, sind ersatzlos gestrichen worden. Als eBay-Händler mit Kunden in Großbritannien müssen Sie sich umsatzsteuerlich dort registrieren und ein entsprechendes Konto für die Umsatzsteuer eröffnen. Grundsätzlich gilt der Warenwert von 135 Pfund als Grenze:

  • Unterschreitet die Sendung diesen Wert, haben Sie die Umsatzsteuer abzurechnen.
  • Bei einem Warenwert über 135 Pfund ist der Käufer in Großbritannien zuständig – und zwar sowohl für die Einfuhrumsatzsteuer als auch für den Zoll.

eBay hat Ihnen dazu bereits Handlungsempfehlungen dazu übermittelt. So ist es wichtig, immer den Bruttopreis und den geltenden Umsatzsteuersatz auf dem Marktplatz anzugeben. Die britische Regierung hat ausführliche Informationen zur Verfügung gestellt, die Sie hier im Detail nachlesen können.

Höhere Kosten für eBay-Händler bei einigen Zahlungsmethoden

Verkaufen Sie Waren nach Großbritannien, müssen Sie mit steigenden Kosten rechnen. Allein die Verkaufsgebühren, die eBay per Lastschrift einzieht, erweisen sich als Kostenfalle: für jede einzelne Einlösung berechnen einige deutsche Banken nämlich Gebühren. Bei deutschen Sparkassen werden beispielsweise bis zu 8,50 Euro erhoben. Auch wenn eBay sich der Tatsache bewusst ist und an einer Lösung arbeitet, liegt es wohl bei den EU-Banken, ihre Gebührenmodelle zu überdenken – eine Änderung der Situation dürfte sich demnach hinziehen.

Tipp: Als eBay-Händler können Sie jedoch ausweichen: Stellen Sie die Zahlungsmethode für die eBay-Gebühren auf Belastung der Kreditkarte um, hier dürften keine Gebühren für die Transaktionen anfallen.

Brexit - Konsequenzen für den Verbraucherschutz

Nicht nur Sie als eBay-Händler werden durch den Brexit mit neuen Problemen konfrontiert, sondern auch die Verbraucher insgesamt: Die EU-Verbraucherschutzrechte gelten zwar generell auch bei Einkäufen, die außerhalb der EU getätigt werden, doch hier gibt es Schlupflöcher. Bedingung ist nämlich, dass sich der relevante Verkäufer ausdrücklich an EU-Verbraucher wendet, wie beispielsweise mit einer gezielten Werbung innerhalb der EU oder mit seiner Homepage und Angeboten in einer EU-Sprache – so die Verbraucherzentrale. Andernfalls gelten die Verbraucherschutzregeln Großbritanniens. Derzeit entsprechen diese noch den EU-Regeln, doch auch hier steht es dem Vereinigten Königreich frei, diese Rechte künftig nach eigenem Ermessen zu verändern. Erschwerend kommt hinzu, dass es außerhalb der Europäischen Union deutlich schwerer ist, Verbraucherrechte durchzusetzen.

Mehr Bürokratie im Brexit

Fazit: Brexit verkompliziert den Handel

Es kommen also einige Änderungen auf Sie zu, wenn Sie eBay-Händler Geschäfte mit Kunden in Großbritannien machen. Insbesondere die Themen Zoll und Einfuhrumsatzsteuer sollten Sie gründlich angehen, um die Übergangsphase effektiv zur Umstellung Ihrer Abläufe zu nutzen – und künftig Probleme zu vermeiden. Ansonsten bleibt abzuwarten, wie weit und wie schnell Großbritannien neue Regelungen formulieren wird, um die bislang geltenden EU-Regeln zu ersetzen.

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